Mordprozess in Dresden

von MDR Sachsen (http://www.mdr.de/sachsen/6811383.html):
Einfach nur krass, welche Wellen dieser Prozess schlägt. Vor allem die Wirkung auf das Ausland wird sehr stark vom Prozessausgang abhängen. Der Angeklagte scheint aber auch alles dafür zu tun, sich noch unbeliebter zu machen, als er es eh schon ist!

Angeklagter Russlanddeutscher rastet im Gericht aus

Im Prozess um den Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini hat der angeklagte Russlanddeutsche am dritten Verhandlungstag für große Aufregung gesorgt. Der 28-Jährige setzte sich am Mittwoch gegen seine Vorführung vor dem Dresdner Landgericht massiv zur Wehr und musste später im Gerichtssaal von mehreren Wachleuten festgehalten werden. Nach Angaben einer Korrespondentin von MDR 1 RADIO SACHSEN stampfte der Angeklagte im Gericht mit den Füßen und schlug seinen Kopf auf die Tischplatte. Die Vorsitzende Richterin ordnete daraufhin an, die Bewachung des Mannes von vier auf neun Polizisten zu verstärken.

Verdacht auf Gehirnerschütterung

Die Verhandlung hatte bereits mit eineinhalbstündiger Verspätung begonnen, weil der Angeklagte am Morgen einen Arzt verlangt hatte. Dieser stellte die Verhandlungsfähigkeit fest. Wie die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand sagte, weigerte sich der Angeklagte daraufhin jedoch, aus seiner Zelle zum Prozess gebracht zu werden. Er habe dabei erheblichen Widerstand geleistet.

Nach Angaben seines Verteidigers Michael Sturm zog sich der Russlanddeutsche auf dem Transport in das Gericht leichte Verletzungen zu. Sein Mandant habe sich offenbar heftig gegen die ihn bewachenden Sicherheitskräfte gewehrt. Es bestehe der Verdacht auf eine Gehirnerschütterung. Eine hinzugerufene Amtsärztin erklärte, sie habe Rötungen und Hämatome unter anderem am Kopf festgestellt, der Angeklagte sei aber verhandlungsfähig. Die Verteidigung bezweifelte dies und forderte eine weitergehende Untersuchung. Das Gericht lehnte das ab.

Der Angriff kam „wie ein Blitz aus heiterem Himmel“

Wegen des Vorfalls konnte der auch im Ausland viel beachtete Prozess erst nach Stunden wie geplant mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt werden. Angehört wurde der ehemalige Pflichtverteidiger des Angeklagten. Er gab an, dass Alex W. sich im Berufungsprozess wegen Beleidigung Anfang Juli „trotzig und patzig“ gegeben habe. Er sei „verbohrt und introvertiert“, aber es habe „nicht ansatzweise“ ein Zeichen dafür gegeben, dass er zu diesem „viehischen, unmenschlichen Tier“ werde. Der Angriff sei „wie ein Blitz aus heiterem Himmel“ gekommen.

Erste Zeugen schilderten die Tat

Der Prozess vor der Schwurgerichtskammer des Dresdner Landgerichtes hatte am Montag begonnen. An den ersten beiden Verhandlungstagen hörte das Gericht den Ehemann des Opfers und einen Richter des Landgerichtes als Zeugen. Der Ehemann erklärte dabei, er, seine Frau und ihr dreijähriger Sohn hätten das Gericht gerade verlassen wollen, als sie vom Angeklagten angegriffen worden seien. Als er seine Frau verteidigen wollte, sei ein Schuss gefallen und er habe das Bewusstsein verloren. Der Ägypter wurde durch die Messerattacke ebenfalls schwer verletzt.

Richter Tom Maciejewski sagte aus, der Angeklagte habe zunächst auch ihn bedroht. „Ich dachte, er sticht mich in dem Moment ab“, erklärte der Jurist, der im Juli den Prozess gegen den Russlanddeutschen geleitet hatte. Anschließend habe Alex W. „wie ein Berserker“ auf die junge Mutter eingeschlagen. Die dumpfen Schläge hätten sich „wie Maschinengewehrsalven“ angehört. Gegen den Richter sowie den Gerichtspräsidenten liegt inzwischen eine Anzeige wegen Verletzung der Sicherheits- und Sorgfaltspflichten vor. Maciejewski sagte dazu, es habe keine Anhaltspunkte für notwendige Sicherungsmaßnahmen gegeben.

Verbrechen ereignete sich im Gerichtssaal

Alex W. hatte am 1. Juli 2009 während eines Berufungsprozesses im Dresdner Landgericht zunächst die 31 Jahre alte Ägypterin erstochen. Als der Ehemann seiner schwangeren Frau zu helfen versuchte, wurde er durch Alex W. schwer verletzt. Ein Polizist schoss den Ägypter zudem auf dem Flur des Landgerichtes an, weil er ihn irrtümlich für den Täter gehalten hatte. Zu der Verhandlung im Dresdner Landgericht war es gekommen, weil Alex W. sein späteres Opfer im Sommer 2008 auf einem Spielplatz in Dresden als „Islamistin“ und „Terroristin“ beschimpft hatte. Der Russlanddeutsche hatte eine durch das Dresdner Amtsgericht verhängte Geldstrafe nicht akzeptiert, weshalb es zum Berufungsprozess kam.

Panzerglaswand soll vor Übergriffen schützen

Der Mordprozess im Dresdner Landgericht findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Im Schwurgerichtssaal wurde eine mobile Wand aus fünf Zentimeter dickem Panzerglas eingebaut, 200 Polizeibeamte sichern das Verfahren ab. Der Tod der Frau hatte in arabischen Ländern für Empörung gesorgt. Einige Prediger hatten die Muslime zur Vergeltung aufgerufen. Insgesamt sind für den Prozess elf Verhandlungstage geplant.

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